Illustration Johannes Benedix Lebenshilfe Soltau

Alles Gute liebe Ute!

26.03.2021

Ute Schmidt verlässt nach 31 Jahren die Lebenshilfe Soltau e.V., in der sie den Bereich Wohnen geleitet hat. In einem Interview erzählt sie von ihrem ersten Tag, was sich seit dem getan hat und was sie der Lebenshilfe für die Zukunft wünscht...

Ute Schmidt Lebenshilfe Soltau e.V.

Ute, wann hattest Du Deinen ersten Tag in der Lebenshilfe Soltau und wie war er?

"Eigentlich muss ich nicht mit meinem ersten Arbeitstag anfangen, sondern mit dem Vorstellungsgespräch beim Vorstand. Ich kam aus Hannover, und weil ich vorher schon einige Jahre in einem Wohnheim und auch im Sozialamt gearbeitet hatte, fand man meine Bewerbung wohl interessant. Aber ich war zu jung! Ich war damals 29, und die älteren Herrschaften im Vorstand hatten große Bedanken, ob ich der Aufgabe wohl gewachsen wäre, und ob ich nicht bald wieder gehen und mir etwas anderes suchen würde. Ich musste also ein zweites Mal zum Gespräch anreisen, aber dann hat´s geklappt.
Mein Arbeitsvertrag begann zum 1. Mai 1990, also 3 Monate bevor die ersten Kolleg*innen für den Wohnbereich eingestellt wurden und bevor die ersten Bewohner*innen in das neue Wohnheim einziehen konnten. Damals war die Verwaltung noch in den Räumen, in denen heute die Tabi ist (die Räume hinter der Küche), und da hat man mir einen Schreibtisch und ein Telefon hingestellt und ich konnte anfangen.
Damals war Herr Schenk noch erster Vorsitzender der Lebenshilfe Soltau e.V., und der hat mich selbstverständlich begrüßt, ebenso wie Herr Schulz, der seinerzeit als „Leiter der Lebenshilfe“ galt, denn der Vorstand war nur ehrenamtlich.
Alle haben mich sehr freundlich aufgenommen und mir die Unterstützung gegeben, die ich auch dringend brauchte, denn ich war in Soltau völlig fremd. Sogar bei der Wohnungssuche hat mir die Lebenshilfe geholfen!"

In welchem Zustand hast Du die Lebenshilfe Soltau damals vorgefunden?

"Es gab die Frühförderung, den Heilpädagogischer Kindergarten und die Tagesbildungsstätte. Der Sprachheilkindergarten war ganz neu. Einen Bereich für erwachsene Menschen mit Behinderung gab es noch nicht. Die Heidewerkstätten haben den Menschen einen Arbeitsplatz angeboten, und gewohnt haben sie in der Regel zu Hause bei den Eltern. Für die Freizeitgestaltung hatten sich Heidewerkstätten und Tabi zu einem „Freizeitclub“ zusammengeschlossen und haben 1x monatlich abends eine Aktivität angeboten. Auch die Lutherkirche mit ihrer Gruppe „Oase“ war damals schon aktiv.
Wer als geistig behinderter Mensch nicht (mehr) zu Hause wohnen konnte, musste weit weg, z.B. in die Rotenburger Werke ziehen. Das Wohnheim „Marienburger Damm“ ist aus einer Initiative engagierter Eltern entstanden, die sich Sorgen gemacht haben, was passiert, wenn sie die Betreuung ihrer „Kinder“ selbst einmal nicht mehr leisten können. Sie konnten und wollten sich aber nicht vorstellen, dass die großen Komplexeinrichtungen wie z.B. die Rotenburger Werke alternativlos waren, machten sich auf die Suche nach Alternativen und setzten das Projekt „gemeindenahes Wohnheim“ und damit eine wohnortnahe Versorgung mit vielen und regelmäßigen Besuchskontakten um.
Am 1.August 1990 nahm das Wohnheim „Marienburger Damm“ seinen Betrieb auf, noch heute wohnen 8 „Bewohner der ersten Stunde“ im Haus, und auch 3 Kolleg*innen sind noch aktiv.
Das Haus hatte damals noch 10 Doppelzimmer, ein Standard, der heute – zumindest für die Lebenshilfe- undenkbar ist.
Die Lebenshilfe Soltau war ein Elternverein und ist es ja auch noch heute. Diese Tatsache hat die Arbeit immer sehr geprägt. Einige Eltern haben sich aktiv an der Erstausstattung des Wohnheims beteiligt, andere haben über viele Jahre ihre Hilfe z.B. bei der Gartenarbeit angeboten. Es war eine sehr „familiäre“ Zeit, in der der erst später populäre Slogan „Wohnen heißt zu Hause sein“ gelebt wurde. Für viele Eltern war diese Familiarität die Grundlage für ihre Entscheidung, ihr „Kind“ einziehen zu lassen, denn der Hauptgrund für den Einzug/Umzug war, dass sie als Eltern sich große Sorgen gemacht haben, was einmal wird, wenn „sie selbst nicht mehr sind“. Ein neues, durch emotionale Nähe geprägtes Zuhause, in dem die Lebenshilfe sich kümmert, und das „Kind“ dauerhaft gut versorgt ist, war hier entscheidend. Die heutige Motivation für ein Leben in einem Wohnheim oder einer Wohngruppe, die Selbständigkeit und Eigenständigkeit der Bewohnerinnen und Bewohner zu fördern, war damals noch sehr untergeordnet."


Was hat sich im Laufe der Jahre verändert?

"Neben den vielen neuen Angeboten, den Neu-, Aus- und Umbauten hat vor allem der vielzitierte „Paradigmenwechsel“ die Arbeit in den Jahren immer begleitet und beeinflusst. War ein Wohnheim in den 1990ern noch in erster Linie das Zuhause für die Menschen, so hat die inhaltliche Diskussion um Selbstbestimmung, Integration und Inklusion die Inhalte und damit auch die Atmosphäre in den Häusern stark verändert. Es ist gut und richtig, dass aus dem Slogan „ich weiß, was gut für Dich ist“ über die Jahre der Slogan „ich weiß selbst, was gut für mich ist“ geworden ist. Entscheidend ist aber, nie aus dem Blick zu verlieren, dass ein Wohnheim/ eine Wohngruppe das zu Hause von Menschen mit aller Emotionalität und Nähe bleibt.
Das Wohnangebot hat sich aufgrund der sehr unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen über die Jahre stark ausdifferenziert. Zuerst wurde eine Außen- Wohngruppe eingerichtet, dann Appartements in das Wohnheim „Marienburger Damm“ eingebaut. Das Ambulant betreute Wohnen wurde 2014 ins Leben gerufen und kurz danach das Wohnheim an der Winsener Straße mit Tagesstruktur für Senioren gebaut. Von anfänglich 27 betreuten, erwachsenen Menschen ist das Angebot auf knapp 100 gewachsen, ein erheblicher Anstieg, der ohne eine Professionalisierung auf allen Gebieten nicht hätte klappen können.
Ich selbst bin in den zurückliegenden Jahren zweimal umgezogen. Viele Jahre habe ich am „Marienburger Damm“ gesessen und zumindest hin und wieder im Gruppendienst mitgearbeitet, für eine kurze Zeit bin ich dann in die „Winsener Straße“ gezogen und habe die dortigen Bewohner*innen und Kolleg*innen kennengelernt. Der größte und für mich schwerste Schritt war, weg aus dem Wohnbereich und in unser Dienstleistungszentrum, weit weg von den Menschen, die mir immer sehr am Herzen gelegen haben. Aber die Größe und Struktur des Bereichs hat diesen Schritt unumgänglich gemacht."


Was wünscht Du der Lebenshilfe Soltau e.V. für die Zukunft?

"Vor allem wünsche ich der Lebenshilfe und allen, die beruflich oder persönlich damit verbunden sind, dass der Traum von „einer Gesellschaft für Alle“ Wirklichkeit wird.
Wir sind in Soltau auf einem guten Weg, hatten mit dem Inklusionsprojekt „Soltau für alle“ schon ein gutes Netzwerk aufgebaut. Leider sind viele gute Ansätze durch die momentanen alltäglichen Herausforderungen und pandemiebedingten Einschränkungen ins Stocken geraten. Ich wünsche mir sehr, dass die Arbeit für mehr Inklusion bald wieder im persönlichen Austausch und Miteinander aufgenommen werden kann.
Für die Lebenshilfe wünsche ich mir, dass sie in Politik und Gesellschaft immer die Unterstützung bekommt die sie braucht, um ihr Angebot stetig den veränderten Bedingungen, Wünschen und Bedürfnissen der Menschen anpassen zu können – und dass sie nie vergisst, was sie ist: eine Organisation, die das Wohl von Menschen mit geistiger Behinderung als selbstverständlichem Teil der Gesellschaft im Blick hat und behält."


Liebe Ute, wir Danken Dir für deinen unermüdlichen Einsatz. Dein freundlicher, geradliniger Kontakt zu Eltern und Behörden stand immer im Dienst, den Dir anvertrauten Menschen ein zu Hause zu geben.

Wir sind dankbar für die schönen gemeinsamen Jahre! Hab´eine schöne Zeit und komm´uns mal besuchen.

Ute Schmidt Lebenshilfe Soltau e.V.

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