Illustration Johannes Benedix Lebenshilfe Soltau e.V.

Wozu braucht man eigentlich die Körpermittellinie?

09.12.2020

Eigentlich gibt es diese gar nicht. Und doch ist sie so wichtig, um in der kindlichen Entwicklung weitere Schritte zu erwirken und sich die Kinder ihrer selbst bewusst werden zu lassen.

Körpermittellinie Lebenshilfe Soltau e.V.

Die Körpermittellinie ist keine reelle, nur eine gedachte Linie, die den Körper senkrecht in zwei Hälften teilt und dabei fiktiv durch die Nasenspitze und den Bauchnabel verläuft.
Insbesondere in der täglichen Arbeit fallen sie mir auf, die vielen Kinder, die sich ihrer Mittellinie noch überhaupt nicht bewusst geworden sind und es dadurch auch im täglichen Umgang mit sich selbst und ihrer Umwelt schwer haben. Da gibt es ganz verschiedene Aspekte, an denen es sich äußert:
Die Sprache ist da nur ein Teil, der mich als Logopädin natürlich täglich beschäftigt. Dass die Sprache nicht klar, deutlich oder präzise geformt werden kann, wenn das Kind kein Gefühl für seine allgemeine Körpermittellinie hat, kann man sich vielleicht vorstellen. Denn wenn man selbst nicht spürt, wo links aufhört und rechts anfängt, dann weiß auch die Zunge nicht, wo die Mitte im Mund ist, wie Laute mittig gesprochen werden können und müssen. Dann fallen oftmals gravierende Fehlbildungen der Zischlaute und auch eigentlich der sehr einfachen Reibelaute auf... selbst Vokale können betroffen sein.
Aber nicht nur sprachlich gelingen Umsetzungen nicht mühelos: Das Zusammenführen beider Hände vor dem Körper, ob mit oder ohne Objekt, fällt extrem schwer. Beim Essen fällt eine Hand (zumeist die passive) permanent unter den Tisch, Messer und Gabel können nicht „zeitgleich“ bedient werden, das Essen mit Besteck wirkt irgendwie unbeholfen. Eine Flasche wird versucht einhändig zu öffnen, ohne mit der zweiten Hand nach derselben Flasche (an der Körpermittellinie) zu greifen, um diese festzuhalten. Nicht selten kippt die Flasche dabei dann um. Beim Laufen können die Füße ungünstig die (noch nicht bewusst gewordene) Mittellinie überschreiten, was ein permanentes Stolpern und Fallen zur Folge haben könnte.
Eigentlich sind dies erlernte Bewegungsmuster aus der frühen Kindheit. Auf dem Rücken liegend nach einem Spielzeug suchen und mit der zweiten Hand über Bauch und Gesicht (Körpermittellinie) zu betrachten, zu befühlen und zu „begreifen“ - sogar die eigenen Füße.

Ich nehme diese massiven Einschränkungen bei unseren betreuten Kindern im SPK zunehmend wahr. Immer häufiger werden Bewusstmachungsübungen zur Körpermittellinie wichtig, bevor man an den eigentlichen Sprachproblemen erfolgreich arbeiten kann.
Kennt ihr auch solche Kinder?
Dann schimpft nicht über das Stolpern, meckert nicht über gekleckertes Essen. Gebt den Kindern Anregungen, verschieden große Deckel zu schrauben, mit Scheren zu schneiden (nicht auf einer Linie, das wird ja meistens nichts, einfach bunte Suppe schnippeln!), mit Werkzeug zu arbeiten, mit den Händen zu matschen, Knete zu formen... Unsere Therapiekinder müssen es nicht alle, aber viele. Und erste Erfolge sieht man schon nach einigen Wiederholungen!
Und wenn die Kinder sich besser wahrnehmen, dann klappt auch Anderes besser und stärkt so ihr Selbstvertrauen. Viel Spaß!

                                             Sonja Schulz, Logopädin des Sprachheilkindergartens Bärenstark

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